ASB-Hilfsmissionen in Guatemala
Inklusive Katastrophenvorsorge in Nicaragua

Schulungen für Lehrer und Schüler helfen Leben zu retten

Der ASB setzt sich in den Departments Leon und Chinandega dafür ein, Maßnahmen der Katastrophenvorsorge inklusiv zu gestalten. Seit vielen Jahren setzt der ASB dabei auf Schulungen für Kinder mit Behinderung und ihre Familien, die Ausbildung von Lehrern sowie die Schulung von Multiplikatoren aus den Reihen der beteiligten Gemeinden und Selbsthilfeorganisationen.

Der Weltrisikobericht 2014 listet vier mittelamerikanischen Staaten in der Gruppe von Ländern mit dem höchsten Risiko für Naturkatastrophen auf: Guatemala auf Platz 4 von 171 Ländern, El Salvador auf Platz 8, Nicaragua auf Platz 13 und Honduras auf Platz 31.

Die Zahlen zeigen zudem, dass in all diesen Ländern eine sehr hohe Gefährdung der Bevölkerung besteht, sollte es zu Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Wirbelstürmen, Dürre, einem Anstieg des Meeresspiegels, oder gar Tsunamis kommen. In Nicaragua besteht diese extrem hohe Anfälligkeit neben den Gefahren für Leib und Leben vor allem in Bezug auf Infrastruktur, Ernährung, Wohnsituation und ökonomische Rahmenbedingungen. Das Niveau der Katastrophenvorsorge, die Verfügbarkeit von Frühwarnsystemen und medizinischer Versorgung sind in dem mittelamerikanischen Land bisher sehr gering.

Einsatz für Einbindung von Menschen mit Behinderung in Katastrophenvorsorge-Strukturen

Obwohl auf internationaler Ebene die Belange von Menschen mit Behinderungen zunehmend in Konzepten, Strategien und Politikpapieren der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit und der Katastrophenvorsorge berücksichtigt werden, ist dies in der praktischen Umsetzung in Nicaragua noch sehr selten der Fall. Konkret bedeutet das, dass die Akteure der Katastrophenvorsorge weder fachspezifische Kenntnisse noch Erfahrung darin besitzen, wie man Menschen mit Behinderung und ältere Menschen im Fall einer Katastrophe helfen kann und welche Vorkehrungen man beim Katastrophenschutz für diese besonders gefährdeten Zielgruppen treffen muss.

Inklusive Katastrophenvorsorge

Der ASB setzt sich daher seit Juni 2014 in den Departments Leon und Chinandega dafür ein, die Maßnahmen der Katastrophenvorsorge inklusiv zu gestalten. Seit vielen Jahren setzt der ASB dabei auf Schulungen für Kinder mit Behinderung und ihre Familien, die Ausbildung von Lehrern sowie die Schulung von Multiplikatoren aus den Reihen der beteiligten Gemeinden und Selbsthilfeorganisationen.

Auch in Nicaragua konnte dieser Ansatz mit großem Erfolg durchgeführt werden. Spenden und Mittel von Aktion Deutschland Hilft ermöglichten 500 Familien mit Kindern mit Behinderung, 20 Beauftragten der Partnerorganisation LOS PIPITOS, 260 Kindern und Jugendlichen mit Behinderung sowie 50 Lehrerinnen die Teilnahme an den Kursen in inklusiver Katastrophenvorsorge. So profitieren nicht nur die Betroffenen selbst, sondern durch die Weitergabe des Wissens durch die Multiplikatoren nach und nach die gesamte Bevölkerung im Einflussgebiet des Projekts. Zusätzlich zu den Schulungen hat der ASB Notfall- und Evakuierungspläne für eine Sonderschule für Kinder mit Behinderung sowie vier öffentliche Einrichtungen der Partnerorganisation LOS PIPITOS erarbeitet und die Verantwortlichen in der Umsetzung der Notfallpläne trainiert.

Ende Dezember 2014, drei Monate vor Projektende, wurden bereits mehr als 80 Prozent der vorgesehenen Zielgruppe erreicht. Daher können 2015 – ohne Erhöhung der Kosten – weitere Lehrer und Familien geschult werden. Insgesamt werden so vermutlich 25 Prozent mehr Menschen von den Maßnahmen profitieren, als zunächst geplant. Dies ist umso erstaunlicher, als die Betroffenen oft in entlegenen Regionen wohnen und sowohl geographisch als auch gesellschaftlich isoliert waren. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Gemeindevorsitzenden und Reisekostenvergütungen konnten diese Hürden jedoch überwunden und die Familien besser in die Dorfgemeinschaften integriert werden.

Durch den großen Einsatz der Teilnehmer konnten zudem zusätzliche Themen in die Schulungen aufgenommen werden. So wurden vor allem die Lehrer und Multiplikatoren in den Grundlagen von  Gesetz Nr. 763 über die Rechte von Menschen mit Behinderung geschult. Außerdem konnten mehrere Evakuierungsübungen in einer Spezialschule für Kinder mit Behinderung durchgeführt werden.