ASB-Hilfsmissionen in Guatemala
Inklusive Katastrophenprävention in Nicaragua

Nicht über uns ohne uns

Zentralamerika ist einer der Regionen weltweit, die am häufigsten von Naturkatastrophen heimgesucht wird. Doch nicht nur die Zahl der gefährlichen Naturereignisse ist groß, auch ihre Zerstörungskraft und die Zahl der Betroffenen sind erheblich.

Nicaragua: Baumaßnahme zur inklusiven Katastrophenprävention

In Nicaragua setzt sich der ASB dafür ein, Katastrophenschutzprojekte so umzusetzen, dass auch Menschen mit Behinderung von ihnen profitieren.

Foto: ASB Nicaragua

Zudem sind in diesem Teil der Welt nicht nur Erdbeben häufig, auch Vulkanausbrüche, Hurrikane, Überflutungen und Landrutsche und sogar Tsunamis bedrohen die Bewohner weiter Landstriche. Hinzu kommt, dass rund 50 Prozent der Menschen in Zentralamerika unterhalb der Armutsgrenze leben. Besonders Menschen, die kaum etwas besitzen, sind jedoch von den Folgen von Katastrophen besonders schwer betroffen.

Einsatz für Menschen mit Behinderung

Innerhalb der Gruppe der Armen sind Menschen mit Behinderung besonders verwundbar. Da sie sich im Notfall nicht immer selbst helfen können, sind sie zusätzlichen Risiken ausgesetzt. Und auch wenn lokale, regionale und nationale Behörden in den vergangenen Jahren viel dafür getan haben, die Katastrophenvorsorgestrukturen in den betroffenen Ländern zu verbessern, so ist doch festzustellen, dass Menschen mit Behinderung in diesen Plänen nur selten oder gar nicht berücksichtigt wurden.

Um Menschen mit Behinderung von Anfang an in die Katastrophenprävention einzubeziehen, müssen zum Beispiel Katastrophenschutzpläne so ausgehängt werden, dass sie für alle Menschen in der Region barrierefrei erreichbar sind. Auch Schutzausrüstung und Notfallmaterialien müssen für alle Zielgruppen zugängig sein.

Gemeinsame Aktionspläne

Der Weltgipfel zur Katastrophenvorsorge im japanischen Sendai (an dem sich auch der ASB beteiligt hat) im März 2015 hat dazu beigetragen, das Anliegen einer wirklich inklusiven Katastrophenvorsorge stärker im Bewusstsein der Verantwortlichen zu verankern. Das Abschlussdokument aus Sendai legt klar fest, dass alle UN-Mitgliedsstaaten inklusive Katastrophenvorsorgemaßnahmen zu treffen haben. In der Folge haben sich die Regierungen der zentralamerikanischen Staaten darauf geeinigt, entsprechende Aktionspläne umzusetzen.

Seit Mai 2015 setzt der ASB in diesem Rahmen ein groß angelegtes und vor allem inklusives Katastrophenvorsorgeprojekt um. Ziel der Maßnahmen des ASB ist es zum einen, lokale, regionale und nationale Katastrophenschutzverantwortliche auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung im Fall von Naturkatastrophen aufmerksam zu machen, so dass die Katastrophenschutzpläne auf allen Ebenen immer stärker auch Inklusion berücksichtigen.

Förderung von Selbsthilfegruppen und Lobbyarbeit

Um dieses Ziel zu erreichen, fördert der ASB lokale Selbsthilfegruppen und Verbände für Menschen mit Behinderung in Nicaragua. Die verschiedenen Organisationen kommen miteinander in Kontakt, ihre Verantwortlichen lernen Grundlagen der inklusiven Katastrophenprävention und der Lobbyarbeit. So können die Betroffenen in den Regionen ihre Stimme erheben und ihre Bedürfnisse selbst äußern. Außerdem stellt der ASB Kontakte zwischen den Organisationen für Menschen mit Behinderung und den jeweils verantwortlichen Katastrophenschutzbehörden her, so dass die Ideen und Anregungen der Selbsthilfegruppen in die Katastrophenschutzpläne eingebunden werden können.

Zugleich ist der ASB Mitglied in der Arbeitsgruppe, die die nicaraguanische Katastrophenschutzbehörde und die UN gebildet haben, um inklusive Präventionsmaßnahmen auf den Weg zu bringen. So soll – sowohl von unten als auch von oben – sichergestellt werden, dass die beiden wichtigsten Prinzipien der inklusiven Katastrophenvorsorge bald in allen Aktionsplänen in Nicaragua fest verankert sind: Nicht über uns ohne uns" und „Niemanden zurücklassen."

Vernetzung für lebensrettende Maßnahmen

In Vorbereitung auf dieses neue, auf allen Verwaltungsebenen angesiedelte Projekt, hat der ASB bereits im Jahr 2014 Mitarbeiter von 16 Behindertenhilfsorganisationen in Nicaragua miteinander vernetzt. Gemeinsam mit dem ASB haben die Vertreter der 16 Organisationen ein Positionspapier zur Umsetzung von lebensrettenden Maßnahmen für Menschen mit Behinderung erstellt, das der Regierung übergeben wurde.