Inklusive Katastrophenvorsorge auf den Philippinen

Effektive Hilfe durch starke Partner

Mehr noch als andere sind Menschen mit Behinderung bei Naturkatastrophen in großer Gefahr, da sie häufig auf Hilfe angewiesen sind, um sich in Sicherheit zu bringen. Auf den Philippinen sorgt der ASB dafür, dass Menschen mit Behinderung aktiver in die Gemeinde eingebunden sind und stärker berücksichtigt werden, wenn es darum geht, für eine Katastrophe vorzusorgen. Ein Projekt mit Zukunft.

Im Herbst 2013: Haiyan, einer der gewaltigsten Wirbelstürme seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, zerstörte in wenigen Minuten große Teile der Philippinen. Mehr als zehntausend Menschen starben, mehrere Millionen wurden obdachlos und waren, um zu überleben, auf Hilfe angewiesen. Viele der Betroffenen hatten sich nicht auf einen solchen Notfall vorbereit. Sie wussten nicht, welche Vorkehrungen sie hätten treffen sollen oder dass sie ihr Zuhause hätten verlassen sollen, um sich in Schutzräumen in Sicherheit zu bringen.

Das muss sich ändern, findet der ASB. Statt zu reagieren, sollen die Menschen besser auf Katastrophen vorbereitet werden. Martin Kunstmann, ASB-Projektkoordinator für Asien, erklärt: „Nach Haiyan stellten internationale Hilfsorganisationen sehr viele Mittel für Soforthilfe zur Verfügung, aber nur wenige für längerfristige Projekte. Da springen wir ein. Wir konzentrieren uns darauf, die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung langfristig zu stärken."

Unterstützung für lokale Initiativen

Eine Schlüsselrolle spielen dabei lokale Partnerorganisationen, denn sie kennen die Umgebung, die Sprache und kulturelle Besonderheiten. „Durch unsere Partner aus den Regionen erreichen wir die Menschen, denen wir helfen wollen, am besten. Bei den lokalen Partnern handelt es sich um Organisationen aus den Bereichen Behinderung und Katastrophenvorsorge. Viele von ihnen arbeiteten in der Folge des Taifuns an ihrem Limit. Wir helfen ihnen dabei, mit ihren begrenzten Mitteln so effektiv wie möglich zu handeln und insbesondere den Belangen besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen wie Menschen mit Behinderungen Rechnung zu tragen", so Martin Kunstmann.

Der besondere Ansatz des Projekts: Die Organisationen werden nicht nur finanziell unterstützt, sondern erarbeiten mit dem ASB und den Betroffenen gemeinsam ihre Aktivitäten. Die Mitarbeiter werden dabei ausgiebig geschult und es findet ein reger Austausch mit anderen nationalen und internationalen Organisationen, Regierungsvertretern und der Zivilgesellschaft statt. Martin Kunstmann: „Wenn wir alle Beteiligten mit ins Boot holen, dann können wir die Betroffenen viel besser auf Naturkatastrophen vorbereiten."

Aufklärung: Welche Rechte haben Menschen mit Behinderung?

Das zahlt sich aus: In der ersten Projektphase von Januar 2015 bis zum Frühjahr 2016 haben die sechs sorgfältig ausgewählten Partner bereits eine ganze Reihe an Vorhaben in mehreren, von Haiyan stark betroffenen Regionen umgesetzt: Sie haben die Gemeindemitglieder in praktischen Verhaltensweisen für den Katastrophenfall geschult und mit ihnen Gefahrenkarten, Notfall- und Evakuierungspläne entwickelt. Darüber hinaus ist mittlerweile in den Gemeinden ein Bewusstsein dafür entstanden, dass Menschen mit Behinderung in der Katastrophenvorsorge besondere Aufmerksamkeit benötigen. Mehrere Partner haben Menschen mit Behinderungen über ihre vom Staat zugesicherten Rechte aufgeklärt und sie ermutigt, diese stärker von ihren lokalen Verwaltungen einzufordern. „Das ist das erste Mal, dass ich über meine Rechte informiert werde", sagte einer der Teilnehmer nach einem solchen Workshop. Viele der Betroffenen wurden zu Multiplikatoren ausgebildet, um ihr Wissen an Nachbarn und Freunde aus der Gemeinde weiterzugeben.

Auf lokaler, regionaler sowie nationaler Ebene sind Regierungsvertreter mit in die vom ASB initiierten Projekten eingebunden. Die Katastrophenschutzpläne passten sie so an, dass sie den speziellen Bedürfnissen  von Menschen mit Unterstützungsbedarf Rechnung tragen.

Die Hilfe geht weiter

In einer zweiten Projektphase, die bis 2017 läuft, können die Organisatoren ihre bisherigen Maßnahmen ausweiten. Zwei neue Partner sind außerdem hinzugekommen. Diese wollen unter anderem die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Produktion verbessern – etwa mithilfe von wetterresistentem Saatgut. Das sorgt dafür, dass die Menschen auch nach Katastrophen in der Lage sind, sich selbst zu versorgen – schutzlos ausgeliefert, wie noch vor drei Jahren, wollen sie nie wieder sein.